Geschlechtergleichheit | Gender equality

Die Maskulisten


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Wo Meinungen entstehen, gibt es auch immer Gegenmeinungen. So gibt es den Feminismus so lange, wie es die Männerrechtsbewegung gibt. Die Männerrechtler nennen sich Maskulisten und lehnen sich gegen den Gender-Mainstream und Feminismus auf. Mir ist es wichtig, immer beide Seiten einer Medaille aufzuzeigen, daher möchte ich euch neben meinen feministischen Beiträgen auch einmal die Gegenseite vorstellen.

Wer steckt hinter der Männerrechtsbewegung?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass diese Bewegung sehr heterogen ist. Es gibt sowohl Männer als auch Frauen, die sich in diesem Netzwerk organisieren. Einige Befürworter des Maskulinismus kritisieren den Feminismus durch Parodie. Andere nutzen den Begriff, echte Beschwerden gegen den Feminismus zu äußern. Dabei ist wichtig zu wissen, dass Maskulisten sich nicht den Frauen überlegen fühlen, sondern aus einer opferideologischen Position heraus argumentieren. Ihrer Meinung nach sind nicht mehr Frauen, sondern die Männer Opfer einer gesellschaftlichen Diskriminierung. Eine Anlaufstelle ist die geschlechterpolitische Initiative MANNdat. Der Verein sieht sich als Interessensvertretung für männliche Bürger mit dem Ziel, rechtliche Benachteiligungen und öffentliche Diskriminierungen von Männern zu beseitigen. Somit versteht sich MANNdat als feminismuskritisch, aber nicht als Gegenbewegung zum Feminismus.

Was kritisieren sie?

Viele dieser Aktivisten glauben, dass die Medien es Frauen erlauben, Männern in einer Weise zu objektivieren und lächerlich zu machen, die undenkbar wäre, wenn die Geschlechterrollen vertauscht wären. Ein Beispiel ist die Bevorzugung von großen Männern gegenüber kleinen. Solche Erfahrungen werden von Maskulisten als Anhaltspunkt verwendet, um sich über die Doppelmoral lustig zu machen, die Feministen ihrer Meinung nach haben. So schreibt etwa ein Mitglied der Männerrechtsbewegung auf Twitter: „Wir fragen euch doch auch nicht nach eurer Körbchengröße“. Andere sehen den Kontext schon kritischer. Sie wollen auf die Benachteiligung und körperliche Gewalt gegenüber Männern aufmerksam machen. David Benatar, Leiter des Fachbereichs Philosophie an der Universität von Kapstadt, argumentiert in seiner Streitschrift „The Second Sexism“, dass Männer weltweit immer häufiger zum Militär eingezogen werden, Opfer von Gewalt sind, das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren und sich das Leben nehmen. Mit Themen wie diesen beschäftigt sich die Männerrechtsbewegung. Vielen Betroffenen fällt es schwer, über die sozialen Problemlagen zu sprechen. Sie haben Angst, dass man ihnen nicht glaubt, oder als Schwächling zu gelten.

Was ist ihr Ziel?

Ziel der Männerrechtsbewegung ist nicht zwingend, den Feminismus zu kritisieren. Maskulisten wollen ähnlich wie die Feministen eine Politik für beide Geschlechter und die Beseitigung von Geschlechterrollen. Mit der Bewegung wollen sie zeigen, dass auch Männer verletzliche, zärtliche, schwache und emphatische Seiten haben. Vorsicht ist jedoch bei der rechtsextremen Strömung geboten, die vereinzelnd in der Männerrechtsbewegung zu finden sind. Dazu gehören Wiki und WikiMANNia, die einen gewaltverherrlichenden männlichen Körperkult aufweisen. Bei diesen Strömungen geht es lang nicht mehr um eine friedliche Bewegung.

Feminismus vs. Maskulinismus

Es braucht Begriffe wie Feminismus und Maskulinismus, um Machtstrukturen zu analysieren. Gleichzeitig kann das aber auch den Blick verengen und Fronten aufmachen. So wird der Feminismus in großen Teilen immer noch als Nullsummenspiel, als das Ende der Männer dargestellt. In Wahrheit wollen Feministen die Probleme lösen, die dazu führen, dass Frauen nicht für Männerjobs infrage kommen. Probleme wie die Inflexibilität von Arbeitsplätzen für diejenigen von uns, die ein Kind aufziehen. Probleme wie die ständige Objektivierung, die zu lähmenden Selbstzweifeln führt. Die meisten feministischen Versuche sind mehr daran interessiert, ein strukturelles Problem zu beweisen, als tatsächlich Männern zu schaden. Gleichzeitig werden Befürworter der Männerrechtsbewegung direkt als rechts und frauenfeindlich abgestempelt, nur weil ihnen die Menschenwürde von Männern am Herzen liegt. Die Vorurteile kennen kein Wenn-und-aber, nur ein Alles-oder-nichts. Es sollte uns aber genauso erlaubt sein anzusprechen, dass es unterprivilegierte Männer gibt, ohne in eine frauenfeindliche Ecke gerückt zu werden. Wenn beide Seiten so verzweifelt nach der Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen, warum sind sie dann nicht offenen für einen Austausch?

Letztlich ist es doch so: Wir sind alle Verlierer des Patriarchats💜.


The meninists


English Version

Where opinions arise, there are always counter-opinions. Thus, feminism has existed as long as the men’s rights movement has. Men’s rights activists call themselves meninists and rebel against the gender mainstream and feminism. To me, it is important to always show both sides of a coin, so in addition to my feminist contributions, I would also like to introduce you to the opposite side.

Who stands behind the men’s rights movement?

First of all, it needs to be noted that this movement is very heterogeneous. There are both men and women who organize in this network. Some proponents of meninism criticize feminism through parody. Others use the term to voice genuine complaints against feminism. It is important to note that meninists do not feel superior to women, but argue from a victim ideological position. In their view, it is no longer women but men who are victims of societal discrimination. One contact-point is the gender-political initiative MANNdat. The association sees itself as an interest group for male citizens intending to eliminate legal disadvantages and public discrimination against men. MANNdat therefore sees itself as critical of feminism, but not as a countermovement to feminism.

What are they criticizing?

Many of these activists believe that the media allows women to objectify and ridicule men in a way that would be unthinkable if gender roles were reversed. One example is the favoring of tall men over short ones. Such experiences are used by meninists as a cue to ridicule the double standard they believe feminists have. For example, one member of the men’s rights movement wrote on Twitter, „We don’t ask you about your cup size either.“ Others see the context more critically. They want to draw attention to the discrimination and physical violence against men. David Benatar, head of the philosophy department at the University of Cape Town, argues in his polemic „The Second Sexism“ that men around the world are increasingly being drafted into the military, being victims of violence, losing custody of their children, and taking their own lives. These are the issues the men’s rights movement is addressing. Many of those affected find it difficult to talk about their social problems. They are afraid that they will not be believed or that they will be seen as weaklings.

What is their goal?

The goal of the men’s rights movement is not necessarily to criticize feminism. In fact, the desires are not that different from feminism. Meninists want policies for both sexes and the elimination of gender roles. They want to show that men also have vulnerable, tender, weak, and emphatic sides. Caution is advised when it comes to meninists with extreme right-wing tendencies, which unfortunately can be found sporadically in the men’s rights movement. These include Wiki, and WikiMANNia, which have a male body cult that glorifies violence.

Feminism vs. Meninism

Terms like feminism and meninism are needed to analyze power structures. At the same time, however, this can also narrow the view and open upfronts. For example, feminism is still largely portrayed as a zero-sum game, the end of men. In truth, feminists want to solve the problems that make women ineligible for men’s jobs. Problems like the inflexibility of jobs for those of us who have babies. Problems like the constant objectification that leads to debilitating self-doubt. Most feminist attempts are more interested in proving a structural problem than actually harming men. At the same time, men’s rights activists are directly labeled as right-wing and misogynistic when they care about men’s rights and human dignity. There is no if-and-but, only an all-or-nothing. But we should also be allowed to address the fact that there are underprivileged men without being painted into a misogynistic corner. When both sides are fighting so desperately for gender equality, why isn’t there an open exchange between the two fronts?

Ultimately, the fact is that we are all losers of the patriarchy💜.

Veröffentlicht von Eileen Wagner

20, Journalismus Studentin in Stuttgart

2 Kommentare zu „Geschlechtergleichheit | Gender equality

  1. Vielen Dank für deine Worte. So oft denk ich mir, warum müssen wir immer gegeneinander kämpfen? Wieso muss ich immer eine Seite anklagen, wenn ich die andere verteidigen will, wenn man doch damit genau das macht, was da Patriarchat uns gelehrt hat, wir stigmatisieren und sehen Menschen als ihre Genderrollen.
    Ich hoffe das ändert sich irgendwann, und die Generationen nach uns können in einer gerechteren und stereotypenfreieren Welt leben!

    Gefällt 1 Person

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