Sprache | Language

Sensible Sprache


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Sprache ist selten neutral. Sie vermittelt uns Informationen, Werte und Weltanschauungen und kann sogar diskriminierend wirken. Worte haben also stets eine positive oder negative Konnotation. Umso wichtiger ist der richtige Umgang mit ihr. Sensible Sprache schließt jede Art der Ungleichbehandlung aus und versucht möglichst alle Menschen anzusprechen. Wie das funktioniert, erkläre ich heute in diesem Blogpost. 

Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung

Als „Framing“ wird eine Kommunikationsstrategie bezeichnet, in der bestimmte Deutungsrahmen vorgegeben werden, durch die eine Botschaft zu bewerten ist. Durch ausgewählte Wörter bestimmen die Frames wie Fakten und Informationen gewichtet werden. Sobald ein Problem gerahmt wird, stellt das Frame automatisch Folgerungen über mögliche Ursachen, Lösungen und Schuldige bereit. Das sorgt dafür, dass wir in unserer Wahrnehmung und unserem Handeln unbewusst beeinflusst werden. Ein Frame, der uns zum Beispiel 2015 infolge des Bürgerkriegs in Syrien und der darauffolgenden Migrationsbewegung aufkam, ist die Flüchtlingswelle. Der Ausdruck spielt absichtlich mit einem inszenierten Bild, das Migranten als Wassermasse und Naturgewalt begreift, die fähig ist ganze Städte wegzuspülen. Mit einer einfachen Metapher wird den Flüchtlingen jede Form der Menschlichkeit und Individualität abgesprochen. Darum ist ein bewusster Umgang mit Sprache so wichtig. Sensible Sprache bedeutet Respekt und Sensibilität gegenüber anderen Menschen.

Gendersprache

Die Debatte um sensible Sprache dreht sich oft um das Gendern. Gender bedeutet übersetzt das soziale Geschlecht und umfasst alles, was typisch für Frauen und Männern gesehen wird. Durch solche vordefinierten Eigenschaften, entsteht schnell eine Art Zwangssystem, in der auch immer eine Vorstellung des „Richtigen“ operiert. Gendergerechte Sprache soll dem entgegenwirken, indem sie die Gleichstellung der Geschlechter sicherstellt. Mit ihrem Gendersternchen oder ihrem Gendergap versucht sie alle, unabhängig ihres Geschlechts, anzusprechen. Um ein Beispiel zu nennen, sollten wir einen Blick auf die männerdominierte spanische Sprache werfen. In Spanien gibt es für bestimmte Berufe keine weibliche Form. So steht „el doctor“ für den Arzt aber auch die Ärztin. Eine „la doctor“ gibt es nicht. Und auch bei Gruppen, reicht es in Spanien aus, dass ein Mann dabei ist, um die ganze Gruppe als männlich zu kennzeichnen. Da kann man den Vorwurf von Sexismus überaus verstehen. Aber wenn es im Deutschen heißt Radfahrer bitte absteigen, dann wird grammatikalisch gar kein Geschlecht gemeint. Denn anders als in Spanien gibt es in der deutschen Sprache auch das sogenannte generische Maskulinum, das zur Bezeichnung von allen Geschlechtern verwendet wird. Ob wir das Gendern nun als Gender Wahn oder als Ausgleich einer toxischen Maskulinität verstehen – Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch immer ein Machtmittel, das nicht unterschätzt werden sollte.

Diskriminierungssensible Sprache

Nicht nur in Bezug auf das Gendern sollte Sprache sensibel sein. Bis heute gibt es in unserer Sprache noch viele rassistische Begriffe, die uns im Alltag oft gar nicht auffallen. Umso wichtiger ist es, sich diese Begriffe zu vergegenwärtigen, um niemanden damit abzuwerten. Hier habe ich euch ein paar Beispiele aufgelistet:

  • Ausländer = die Bezeichnung ist für Menschen, ohne deutsche Staatsbürgerschaft grundsätzlich korrekt. Als Synonym für Einwanderer ist er dagegen falsch, weil diese durch ihre Immigration nicht unbedingt als Ausländer bezeichnet werden möchten, sondern als Deutsche. Im Alltag hilft es die Betroffenen zu fragen welche Bezeichnung sie sich wünschen. 
  • Farbig/ Farbige = dieser Begriff ist durch die Kolonialzeit geprägt und negativ konnotiert. Denn bei Begriffen wie „farbig“ oder „dunkelhäutig“ geht es nicht nur um biologische Eigenschaften, sondern um gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten. Als Alternative können Selbstbezeichnungen von Menschen mit Rassismus Erfahrung verwendet werden. Der Begriff „People of Color“ zum Beispiel, versteht sich als solidarisch und positioniert sich gegen jegliche Spaltungs- und Diskriminierungsversuche.
  • Türkischstämmige = der Begriff stammt aus der früher gängigen Bezeichnung „Türken“. Korrekt wäre aber die Bezeichnung „türkeistämmige Menschen“, da viele Einwanderer aus der Türkei auch Kurden oder Angehörige anderer Ethnien sind und sich nicht als „Türkisch“ verstehen.

Ich hoffe, dass mit dem Beitrag deutlich wurde, welche Macht von der Sprache ausgeht. Sie beeinflusst unsere Wahrnehmung, unser Denken und unser Handeln. Was für uns vielleicht nicht nennenswert oder übertrieben ist, kann von anderen diskriminierend aufgenommen werden. Lasst uns daher versuchen sensibel mit ihr umzugehen 💜.


Sensitive Language


English Version

Language is rarely neutral. It gives us information, values, ​​and worldviews and can even have a discriminatory effect. Words always have a positive or negative connotation. It is all the more important to deal with it correctly. Sensitive language rules out any kind of unequal treatment and tries to address as many people as possible. How this works, I will explain in this blog post today.

Language influences our perception

A communication strategy is called framing, in which certain interpretive frameworks are given, through which a message is to be evaluated. The frames use selected words to determine how facts and information are weighted. As soon as a problem is framed, the frame automatically provides inferences about possible causes, solutions, and culprits. This ensures that we are unconsciously influenced by our perceptions and actions. One frame that came up to us in 2015 as a result of the civil war in Syria and the subsequent migration movement, is the wave of refugees. The expression deliberately plays with a staged image that understands migrants as a mass of water and a force of nature capable of washing away entire cities. With a simple metaphor, the refugees are denied any form of humanity and individuality. That is why a conscious use of language is so important. Sensitive language means respect and sensitivity towards other people.

Gender language

The sensitive language debate often revolves around gender. The social gender includes everything that is typically seen for women and men. Such predefined properties quickly create a kind of coercive system in which an idea of ​​the „right“ always operates. Gender-appropriate language is intended to counteract this by ensuring equality between the sexes. With the gender asterisk or the gender gap, the language tries to address everyone, regardless of gender. To give an example, let’s take a look at the male-dominated Spanish language. In Spain, there is no female form for certain professions. So „el doctor“ stands for the male doctor but also the female doctor. There is no such thing as a „la doctor“. And even in the case of groups, in Spain, it is sufficient that one man is present to identify the whole group as male. In this case, one can understand the charge of sexism very well. But when it says cyclists please get off in Germany, then grammatically no gender is meant. Because unlike in Spain there is also the so-called generic masculine in the German language, which is used to denote all genders. Whether we see gendering as a gender madness or as a compensation for toxic masculinity – language is not only a means of communication but also always a means of power that should not be underestimated.

Discrimination sensitive language

Language should not only be sensitive to gender. To this day, there are still many racist terms in our language that we often don’t even notice in everyday life. It is all the more important to keep these terms in mind to not devalue anyone. Here I have listed a few examples for you:

  • Foreigners = the designation is correct for people without German citizenship. As a synonym for immigrants, on the other hand, it is wrong because they do not necessarily want to be called foreigners after their immigration, but rather as Germans. In everyday life, it helps to ask those affected which name term they prefer.
  • Colored = this term is shaped by the colonial era and has a negative connotation. Because terms like „colored“ or „dark-skinned“ are not just about biological properties, but about socio-political affiliations. As an alternative, the self-designations of those affected by racism can be used. The term „People of Color“ for example, sees itself as solidarity and positions itself against any attempts to divide or discriminate.
  • People of Turkish origin = the term comes from the previously common name „Turks“. It would be correct to use the term „people of Turkish origin“, since many immigrants from Turkey are also Kurds or members of other ethnic groups and do not see themselves as „Turkish“.

I hope that the contribution made it clear what power language emanates from. It influences our perception, our thinking, and our actions. What may not be worth mentioning or exaggerated for us, might be perceived in a discriminatory manner by others. So let’s try to be at least sensitive to it 💜.

Veröffentlicht von Eileen Wagner

20, Journalismus Studentin in Stuttgart

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