Hybride Identität | Hybrid Identity

Hybride Identität


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Was bedeutet Heimat für euch? Heimat ist ein großes Wort mit viel Inhalt. Heimat ist ein Ort der Geborgenheit, der Sicherheit, der Zugehörigkeit. Oder einfacher gesagt, ein Ort an dem man sich zu Hause fühlt. Heimat kann aber auch eine Gegend sein, in der man aufgewachsen ist oder die man im Laufe des Lebens erst schätzen gelernt hat. Die Antwort scheint nicht so klar zu sein. Noch schwieriger wird es für Menschen, die sich mehreren Kulturen zugehörig fühlen und keinen konkreten Heimatbegriff kennen. Spätestens dann entwickeln Betroffene sogenannte hybride Identitäten, über die wir heute reden werden.

Verschmelzung der Kulturen

Hybride Identität bedeutet, dass sich ein Mensch unterschiedlichen kulturellen Räumen zugehörig fühlt. Oft spielt der Migrations-Hintergrund eine bedeutende Rolle. Betroffene fühlen sich an mehreren Orten zu Hause und erleben im Alltag den Druck, sich für eine Kultur entscheiden zu müssen. „Woher kommst du eigentlich?“ – eine einfache Frage wird auf einmal schwer zu beantworten. Um Irritationen zu vermeiden wird die Migrations-Geschichte mit der aktuellen Situation verknüpft. Meine Antwort wäre: „Ich bin halb deutsch, halb Taiwanesin. Geboren und aufgewachsen bin ich in Deutschland. Meine Mutter kommt aber aus Taiwan.“ Auch ich kenne dieses Hin und Her-Gefühl. Deutschland ist für mich Heimat, weil ich hier geboren bin, hier lebe und diesen Ort lieben gelernt habe. Aber auch Taiwan ist für Heimat. Jedes Mal, wenn ich meine Familie dort besuche, fühle ich mich direkt geborgen und wohl. Das führt dazu, dass ich verschiedene Traditionen und Sitten auslebe. So feiere ich Weihnachten aber auch das chinesische Mondfest. Ich esse Sushi mit Stäbchen, das Schnitzel aber mit Messer und Gabel. Mit meiner Mutter rede ich chinesisch, mit meinem Vater immer Deutsch. Für mich geht hybride Identität so weit, dass sich beide Kulturen verschmelzen. Ich definiere meine Identität neu.

Zwischen zwei Welten leben

„Es ist ein Gefühl als lebe man zwischen zwei Welten“, erklärt mein Freund. Für ihn ist es gar nicht so leicht zwei Kulturen zu vereinen. In Deutschland aufgewachsen mit kosovarischen Eltern, lebt er seit klein aus in einem Zwiespalt: Er sehnt sich nach der Freiheit, sich als Individuum weiterzuentwickeln, sich selbst auszuleben. Gleichzeitig fühlt er sich den traditionellen Sitten verantwortet. „Am liebsten würde ich meine Sachen packen und einfach nach Berlin ziehen, wenn es da nicht meinen Vater gäbe. Ich kann ihn nicht alleine lassen. Er braucht mich hier.“ Zwischen zwei Welten gerissen – besonders für Kinder und Jugendliche ist das Thema der Zugehörigkeit und Identität oft mit Konflikten in der Familie verbunden. Man möchte keiner Kultur den Rücken zudrehen und fühlt sich verantwortet, die unterschiedlichen Werte zu vereinen. Wenn sich aber zwei Kulturen so stark unterscheiden, ist eine Verschmelzung kaum möglich. Es entsteht eine Sowohl-als-auch-Identität.

Die Hybride Identität bietet vielen Menschen die Möglichkeit einer Mehrfachzughörigkeit. Der Druck sich für eine Seite zu entscheiden wird genommen und man kann sich selbst definieren, egal ob das eine Verschmelzung beider Kulturen oder eine Sowohl-als-auch-Identität bedeutet 💜.


Hybrid Identity


English Version

What does home mean to you? Home is a big word with a lot of content. A home is a place of comfort, security, and belonging. Or, more simply, a place where you feel at home. But a home can also be an area in which one grew up or that one has only come to appreciate in the course of life. The answer doesn’t seem so clear. It becomes even more difficult for people who feel they belong to several cultures and don’t have a specific definition of home. Then at the latest, those affected will develop so-called hybrid identities, which we will talk about today.

Fusion of cultures

Hybrid identity means that a person feels that they belong to different cultural spaces. The migration background often plays an important role. Affected people feel at home in several places and experience the pressure of having to choose one culture in everyday life. “Where are you from?” – a simple question suddenly becomes difficult to answer. To avoid confusion, the migration story is linked to the current situation. My answer would be: “I’m half German, half Taiwanese. I was born and raised in Germany. But my mother comes from Taiwan. “ I can understand this back and forth feeling. For me, Germany is home because I was born here, live here and have learned to love this place. But Taiwan is also home for me. Every time I visit my family there, It feel comfortable like home. This leads to me living up to different traditions and values. This is why I celebrate Christmas and the chinese Moon Festival. I eat sushi with chopsticks but the schnitzel with a knife and fork. I speak Chinese with my mother, with my father always German. For me hybrid identity goes so far that both cultures merge. I am redefining my identity.

Living between two worlds

„It feels like living between two worlds,“ explains my boyfriend. It’s not that easy for him to unite both cultures. Growing up in Germany with Kosovar parents, he has lived a conflict since he was a child: He longs for the freedom to develop as an individual, to live out himself. At the same time he feels responsible for traditional values. “I would love to pack my things and just move to Berlin if it weren’t for my father. I can’t leave him alone. He needs me here. ”Torn between two worlds – especially for children and young people, the topic of belonging and identity is often connected with conflicts in the family. You don’t want to turn your back on any culture and feel responsible for uniting the different values. But when two cultures differ so much, a merger is hardly possible. An both-and-identity emerges.

The hybrid identity offers many people the possibility of multiple affiliations. The pressure to choose one side is taken away and you can define yourself, regardless of whether that means a fusion of both cultures or an both-and-identity 💜.

Veröffentlicht von Eileen Wagner

20, Journalismus Studentin in Stuttgart

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